Donnerstag, 31. Dezember 2009

ein anderes Paradies





So, jetzt bin ich in Costa Rica. Schon seit ein paar Tagen, aber mein strenger Zeitplan hier laesst es nicht zu, so oft ins Internet zu gehen. Jeden Tag surfen und am Strand liegen ist eben ziemlich anstrengend. Es hat mich auch ganz schoene Strapazen gekostet um hierher zu kommen. 15 Stunden war ich unterwegs, 4 Busse und eine Faehre. Aber es hat sich gelohnt. Von einem Paradies ins naechste. Nur ist hier alles ein bisschen teurer, besser entwickelt, mehr Leute und eben touristischer. Aber dennoch ein kleines Paradies mit guten Wellen, gruenen Palmen, weissen Straenden und halbnackten Maedels, was will man mehr...
Heute wird schoen ins neue Jahr reingefeiert. Ach ja: Ich wuensch allen n gutes neues Jahr.
schon am 2. Januar gehts bei mir weiter Richtung Sueden. Zu einer der laengsten Wellen der Welt, Pavones. Bin schon ganz heiss.
Adios und bis bald

Freitag, 25. Dezember 2009

Feliz Navidad

FROHE WEIHNACHTEN


Montag, 21. Dezember 2009

Historia Historia

Nachdem ich in Masaya das lokale Kunsthandwerk bestaunt und ein paar Kleinigkeiten auf dem beruehmten Markt gekauft habe, bin ich jetzt in der alten Hauptstadt Leon. Hier schlaegt das kulturelle Herz des Landes. Beruehmt ist die Stadt fuer die erste Universitaet des Landes, das studentische Leben, den Dichter Ruben Dario und fuer die zweitgroesste Kathedrale in ganz Lateinamerika.



Und natuerlich nicht zu vergessen, die unzaehligen Vulkane in der naeheren Umgebung. Es sollen 21 sein, von denen auch noch ein paar aktiv sind. Aber nach meiner Vulkanbesteigung in Ometepe hat es sich erst mal ausvulkanisiert. Es gibt auch so genug zu entdecken hier. Denn Leon ist fuer die Geschichte Nicaraguas und Zentralamerikas eine bedeutende Stadt. Nach der Unabhaenigkeit von den Spaniern war Leon die erste Hauptstadt fuer ganz Zentralamerika und spaeter war es dann auch die Hauptstadt Nicaraguas. Doch da Granada die ganze Seit etwas dagegen hatte und sogar Kriege mit Leon um die Vormachtstellung fuehrte, einigte man sich Mitte des 19. Jahrhunderts darauf, dass das kleine Doerfchen Managua die neue Hauptstadt wird. Ein Kompromiss fuer die verfeindeten Staedte.
Gestern erkundete ich auf einer gefuehrten Tour die geschichtlichen und revolutionaere Bedeutung der Stadt. An dieser Stelle sollte ich mal ein paar Worte ueber die Geschichte Nicaraguas loswerden. Ich verspreche, es wird nicht langweilig:
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die USA aktiv ihre Finger im politischen Spiel Nicaraguas. Sie schickten sogar Marines um den ihnen wohlgesinnten Praesidenten entweder an der Macht zu halten oder ihm dazu zu verhelfen. Nicaragua war bis in die 30er Jahre nichts als eine amerikanische Bananenrepublik. In dieser Zeit kaempfte ein gewisser Augusto Cesar Sandino gegen die amerikanische Okkupation und fuer ein freies Nicaragua.



Nachdem die Marines 1933 das Land verlassen hatten, erklaerte er sich zu Friedensgespraechen mit den anderem Parteien bereit. Nach einem dieser Treffen wurde er ermordet. Der Befehl kam von General Anastazio Somoza, dem Chef der Nationalgarde, sprich der Armee. Nach einem quasi Staatsstreich uebernahm Somoza ab 1936 die Macht und seine Familie sollte sie bis 1979 auch nicht wieder hergeben. Seine beiden Soehne folgten ihm im Amt und die Somoza-Diktatur wurde zur laengsten Familiendiktatur in Lateinamerika.



In dieser Zeit ging es Nicaragua zwar wirtschaftlich relativ gut, aber Korruption und Menschenrechtsverstoesse gehoerten zur Tagesordnung. Hier in Leon besuchten wir auf unserer Tour eine alte Festung, die unter Somoza als Gefaengnis fuer politische Gegner diente. Unser Guide erzaehlte uns von der Willkuer der Verhaftungen und der Willkuer der Wachen. Die Wachen machten es sich zum Spiel die Gefangenen auf brutalste Art zu foltern oder zu toeten. Die Machete war nur eines der Todeswerkzeuge. Ein anderes war ein Knopf mit einer Schnur dran. Diesen mussten die Gefangenen schlucken bis der Knopf wirklich im Bauch war. Die Wachen hatten das andere Ende der Schnur noch in der Hand und zogen es mit aller Gewalt heraus. Den Rest kann man sich ja denken. Die Brutalitaet der somozistischen Nationalgarde war beruechtigt.



Der Widerstand gegen die Diktatur bildete sich zwar schon in den 30 er und 40er Jahren aber so richtig aktiv wurde er erst in den 60er Jahren. In diese Zeit geht auch die Gruendung der Frente Sandinista de Liberacion Nacional (FSLN) zurueck. Sie hoben Sandino als ihr Idol heraus. Auch in der Bevoelkerung machte sich so langsam aber sicher Widerstand bemerkbar. Vor allem nachdem die Nationalgarde bei Demonstrationen immer wieder unschuldige Zivilisten toetete. Nach dem Erdbeben in Managua 1972 wurde allen klar, wie korrupt und willkuerlich das Somoza-Regime wirklich war. Denn den Grossteil der internationalen Hilfsgelder steckte die Somoza-Familie in die eigene Tasche. Tausende Menschen starben erst nach dem Erdbeben da es quasi keine Versorgung gab.
Es dauerte aber noch ein paar Jahre bis das ganze Land rebellierte. Der Ausloeser war 1978 die Ermordung des beliebten Zeitungsherausgebers und einer der wenigen kritischen Stimmen, Pedro Joaquin Chamorro. Sein Tod loeste Massendemonstrationen aus. Die Sandinisten nahmen die Gelegenheit wahr und starteten ihre Angriffe. Es dauerte aber noch bis Juli 1979 bis die Diktatur in ihre Einzelteile zusammenbrach. Die Revolution hatte gesiegt.





Die 80er Jahre sollten aber keine ruhige Dekade fuer Nicaragua werden. Daran sind vor allem die USA Schuld. Der grosse Adler im Norden konnte es natuerlich nicht zulassen, dass in seinem Vorgarten eine linke Regierung an die Macht kam. Der Kalte Krieg war ja immernoch im vollem Gange. Wenn auch die Sandinisten nie wirklich Kommunisten waren. Es war aber nicht gerade hilfreich, dass sie die wichtigen Firmen verstaatlichten. Der Hardliner Reagan sah sich gezwungen zu reagieren, also fing er seinen eigenen kleinen Krieg an. Mit der Hilfe von ehemaligen Nationalgardisten, Soeldnern, der CIA und auch regulaeren amerikanischen Truppen wurde bis Mitte der 80er Jahre ein blutiger Krieg gefuehrt. Mit der Zeit wurde der Protest sowohl international als auch national in Amerika immer lauter und Reagan musste sich offiziell zurueckziehen. Inoffiziell ging der Kampf aber weiter. Die CIA war ein Hauptbestandteil davon und auch die illegalen Waffengeschaefte mit dem Iran finanzierten die Contras in Nicaragua. Stichwort Iran-Contra-Affaere.
Man muss sich nur mal die Perversitaet dieser Verflechtungen vor Augen halten: Die USA unterstuetzten Saddam Hussein und den Irak im Krieg gegen den Iran und gleichzeitig verkauften sie den Ayatollahs in Teheran amerikanische Waffen, um ihren kleinen geheimen Krieg in Nicaragua zu finanzieren. Andere Gelder kamen zudem aus Geschaeften mit den kolumbianischen Drogenkartellen. Dieser geheime Krieg kostete ueber 30 000 Menschen das Leben und warf Nicaragua um Jahrzehnte zurueck. Das einst reiche Nicaragua war zum Armenhaus Lateinamerikas geworden.
Der Krieg endete 1989 mit einem Waffenstillstand und nachdem die Sandinisten die Wahlen 1990 verloren, raeumten sie das Feld. Aber nicht ohne sich nochmal fleissig an Staatsgeldern zu bedienen. Wie dem auch sei, bis 2006 wechselte sich eine liberal-konservative Regierung nacheinander ab und machte das Land offen fuer saemtliche neo-liberale Experimente. Quasi alles wurde privatisiert. Geholfen hat es nicht. Es ging nur noch weitet bergab.
Seit Januar 2007 ist wieder Daniel Ortega Praesident. Er war dies schon in den 80er Jahren. Jedoch sind die Sandinisten nur noch ein Schatten ihrer selbst. Zerstritten und von Korruption durchzogen koennen sie sich nur Erfolge im Gesundheitsbereich und im Bildungssystem auf die eigene Kappe schreiben. Vielmehr versucht Ortega weiter an der Macht zu bleiben (obwohl die Verfassung das verbietet) und einen quasi Sandinisten-Staat zu errichten. Ein Beispiel: Manche der sozialen Hilfen kann man nur erhalten, wenn man Mitglied in der Partei ist. Ausserdem benutzt er staatliches Geld fuer Parteizwecke. Er trennt Partei und Regierung nicht. Zudem durchzieht Korruption das ganze System. Und genau wie Chavez und andere lateinamerikanische Praesidenten (Uribe (Kolumbien), Correa (Ecuador)) versucht er die Verfassung zu aendern, damit er sich wieder fue reine Wiederwajl stellen kann. Die Wahlen sind zwar erst 2011, aber ueberall im Land und ich meine ueberall sieht man FSLN-Schriftzuege oder “Daniel 2011”. Das ganze Land ist in schwarz-rot getuencht. Da wird sich wohl so mancher Auslaender fragen: “Daniel, wer ist eigentlich Daniel?”



So das war jetzt mal ein kleiner Crash-Kurs in nicaraguanischer Geschichte. Langweilig ist sie auf jeden Fall nicht. Und Leon, wo ich gerade bin, ist quasi eines der geschichtlichen Zentren des Landes.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Kultur muss sein


Meine Kulturwoche hat begonnen. Und zwar in der alten Kolonialstadt Granada am Ufer des Nicaraguasees. Am Montag komme ich an und mache mich gleich mal zu Fuss auf Erkundungstour auf. Nachdem ich mich aber erstmal im hosteleigenen Pool abkuehle, versteht sich.
Ich schlendere vor mich hin und laufe durch den zentralen Park ueber den Platz der Unabhaengigkeit runter zum See. Auffaellig sind die vielen bunten Haeuser und der koloniale Baustil. Es ist ein Wunder, dass man noch so viel sieht, wenn man bedenkt, dass die Stadt in ihrer Geschichte schon so einige Male niedergebrannt wurde.
Es sind aber vor allem die Aktivitaeten rund um Granada, die die Stadt so interessant macht. Am Dienstag gehe ich morgens auf eine Canopy-Tour auf dem Vulkan Mombacho. Sprich, ich rase am Drahtseil haengend von Baum zu Baum. Ein unglaublicher Spass. 20 Meter ueber dem Boden sause ich an einem duennen Seil durch den Wald. Man ist ziemlich schnell unterwegs. Aber Karabinerhacken, Seil und fuenf Begleiter sorgen fuer unsere Sicherheit. Wir haben alleine fuenf Nicas, die uns immer alles erklaeren, absichern, einhaengen usw. Gute Sicherheitsstandards. Auf den Baeumen nebenan schaut uns eine kleine Affenfamilie zu und wird sich sicherlich denken was wir hier fuer komische Sachen machen.
Mitten im Dschungel hangeln wir uns von Station zu Station. Ein Highlight ist aber auch das Ende. Von ungefaehr 20-25 Metern lassen sie uns am Seil in die Tiefe plumpsen. Ist so wie das Abseilen beim Klettern, nur spassiger. Mein Abseilen dauert ungefaehr 3-4 Sekunden und ich fuehle nach dem fast freien Fall wie sich das Adrenalin in meinem Koerper ausbreitet. Wir zittern alle noch Minuten spaeter...
Am Nachmittag mach ich dann ein etwas ruhigeres Programm. Ich paddle mit einem Kayak zwischen den vielen kleinen Inseln umher. Die ueber 300 kleinen Inselchen entstanden vor tausenden Jahren, als der naheliegende Vulkan Mombacho ausbrach. Heute ist hier alles Gruen und man kann die Pflanzen- und Tierwelt bestaunen. Es soll ueber 600 verschiedene Vogelarten geben. Sinnlos zu versuchen sie hier aufzuzaehlen.




Heute, Mittwoch, habe ich mir mal einen Ruhetag gegoennt. Und zwar am klarsten Wasser Nicaraguas, in der Laguna Apoyo, keine 15 Minuten entfernt von Granada. Das Wasser hier hat die verschiedensten Blautoene: Himmelblau, Azurblau, Tuerkisblau...
Und die Temperatur, herrlich. Das Wasser soll dank dem vulkanischen Sulfur auch eine gesundheitsfoerdernde Wirkung haben. Das Planschen war auf jeden Fall angenehm. Ausserdem paddele ich noch ein bisschen im Kayak rum, geniesse die Sonne und lese ein bisschen.
Es ist mal ganz angenehm, wenn kaum Menschen um einen herum sind. War schon eine krasse Umstellung von einem kleinen Fischerdoerfchen an der Kueste zu einer groesseren Stadt. Der Laerm, die Leute, der Schmutz. Das alls kann man nur ne gewisse Zeit ertragen. Also geniesse ich ich in einer Haengematte die Ruhe und den meditativen Klang des Wassers so lange ich kann...

Sonntag, 13. Dezember 2009

was hier so kreucht und fleucht

Wollte euch auch mal teilhaben lassen an meinen Lebensbedingungen.
Hier sind ein paar Bilder von der oertlichen Tierwelt:
Dieses kleine Prachtexemplar lag einfach mal tot auf der Strasse rum. Zum Glueck tot. Mir wurde gesagt, dass es ne Klapperschlange is...



und waehrend ich jetzt gerade schreibe, kommt Jaime, der hier im Hotel arbeitet, mit diesem kleinen Viech an... lebendig.



Hatte auch Besuch von diesen lustigen Freunden:




und auf der Strassen rennen ganz viele von dieser Sorte rum:



So einen fetten Hund sieht man hier selten. Ist auch kein Einheimischer. Von einem Ami:



So, das sind nur ein paar Impressionen der hiesigen Tierwelt.
Es folgt noch mehr...

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die gruenen Riesen


Wie ein Zuckerhut sitzen die Nebelschwaden auf der Spitze des grossen Vulkans Concepcion. Langsam kriecht der weisse Dunst die steilen Haenge entlang. Der sichtbare Teil des Berges ist mit gruenem Dschungel bedeckt. 1600 Meter ragt dieses Monster von einem Vulkan aus dem "suessen Meer" heraus. Wegen dem Suesswasser wird der Nicaraguasee auch "mar dulce" genannt.
Dies alles beobachte ich von dem Balkon der Finca Magdalena einem alten Farmhaus, das zu einem Hostel umfunktioniert wurde. Es liegt am Fusse des zweiten Vulkans. Maderas ist der kleinere, naturreichere der Beiden. Gemeinsam bilden sie in Form einer acht die Insel Ometepe.
Von Samstag bis Montag waren wir in diesem kleinen Inselparadies. Ich war nicht allein. Steffi, eine Deutsche, die hier in Gigante in einem Surfcamp arbeitet, hat sich auch der Vulkan-Herausforderung gestellt.
Was fuer ein Trip! Zusammen mit einer Amerikanerin und unserem nicaraguanischen Guide haben wir in 7 Stunden den 1400 Meter grossen Riesen bezwungen. Wir sind quasi auf Null Meter gestartet und es ging nur bergauf. Hoert sich logisch an, aber es ging wirklich nur aufwaerts. Also keine Strecken, die mal keinen Anstieg hatten. Anfangs liefen wir noch durch eher trockenes und warmes Gebiet, bis wir zum Nebelwald kamen. Es wurde nass, matschig und deutlich kaelter und windiger. Umgeben von den unterschiedlichsten Baumarten krakselten wir ueber Steine und Matsch dem Gipfel entgegen. Wir zogen uns an Seilen den Trampelpfad entlang, kletterten steile Passagen hinauf und sanken knoecheltief im Schlamm ein. Auf unserem Weg begegneten uns Affen, Schmetterlinge und allerlei Kriechtiere. Wir entdeckten auch Zeugnisse laengst vergangener Kulturen. Praekolumbianische Petroglyphen sind auf dem Weg versteckt.

Oben angekommen ging es aber erstmal runter in den Krater des laengst erloschenen Vulkans. Hier hat sich ein kleiner See gebildet, den man aber dank des Nebels nicht wirklich erschliessen konnte. Das Wetter hier oben steht in einem krassen Gegensatz zum Fusse des Vulkans. 15 Grad, feucht und Nebel gegenueber 30 Grad, Sonne und trocken.
Es heisst ja so schoen: nach unten gehts immer schneller. Naja nicht ganz. Wenn man nicht unbedingt lebensmuede ist, geht man so vorsichtig wie moeglich den steilen Weg bergab. Das taten wir auch. Unser Guide war jeden Cent wert, da er uns schon auf dem Hinweg die Gefahren anzeigte. Meine Fuesse zitterten mit jedem zusaetzlichen Schritt. Ich hab eigentlich gedacht, dass ich gut trainiert bin. Aber ein bisschen in den Alpen wandern und an der Isar Joggen sind halt doch nicht knapp 3000 Hoehenmeter durch Schlamm und Steine klettern. Am Ende war mir die Natur und alles rundherum scheissegal, ich wollte nur noch in der Finca ankommen und meine Fuesse hochlegen. Eine ziemlich herausfordernde "Wanderung".
Am naechsten Tag zwang uns der Muskelkater an den Strand und zu einem halbwegs faulen Tag. Wir mussten ja auch noch heim kommen. Aber eigentlich hatten wir den Plan mit dem Fahrrad zum Kayaken zu fahren und dann eben 2 bis 3 Stunden ueber den See zu schippern. Faulenzen am Strand war aber eine gute Alternative. Leider war unsere Zeit dann auch schon vorbei und wir machten uns auf, das Abenteuer Rueckreise anzutreten.
Wir waren ja am anderen Ende der Insel. Und hier fuhr nicht wirklich ein regelmaessiger Bus. Ach und hab ich erwaehnt, dass es ein Feiertag war. Sprich es kamen noch weniger Busse als sonst. Letztendlich erwischten wir einen, der uns zur Hauptstrasse brachte. Die Busse hier sind uebrigens alte amerikanische Schulbusse. Diese gelb-schwarzen Monster. Lustige Teile. Die Leute steigen ein und aus wo es ihnen passt, so lange es an der Strasse ist. Richtige Haltestellen oder gar Zeiten gibt es nicht. Nach zweieinhalb Stunden erreichten wir endlich die Hafenstadt Moyogalpa, von wo unsere Faehre ging. Die letzte Faehre des Tages. Das Schiff trug den schoenen namen "Ferry el Che Guevara". Der Che brauchte leider ueber eineinhalb Stunden und wir kamen aufs Festland als es dunkel war. Nach zwei Taxis und ein bisschen Preisfaelschen waren wir letztlich um 21 Uhr abends wieder in unserem kleinen Paradies Gigante. Es hat ueber 7 Stunden gedauert, aber die Insel Ometepe, die Wanderung und die Natur waren alles Strapazen wert.
Mark Twain, der 1866 durch Nicaragua reiste schrieb damals ueber Ometepe: "Out of the midst of the beautiful Lake Nicaragua spring two magnificent pyramids, clad in the softest and richest green, all flecked with shadow and sunshine, whose summits pierce the billowy clouds. They look so isolated from the world and its turmoil - so tranquil, so dreamy, so steeped in slumber and eternal repose."




Donnerstag, 3. Dezember 2009

Nicas

Ich moechte mal ein bisschen ueber die Menschen hier schreiben. Also die Einheimischen.
Nicaragua ist nicht unbedingt das reichste Land, was die wirtschaftliche Situation betrifft. Tatsaechlich ist es das zweitaermste Land in der westlichen Hemisphaere. Auch hier an der Kueste merke ich das. Die meisten hier leben in kleinen Verschlagen aus ein paar Steinen und Holzplatten ohne richtiges Bad. Im "Hof" oder Vorgarten rennen allerlei Viecher herum. Schweine mit seltsamen Holzgeschirr, dass sie davon abhaelt durch die Zaeune zu kommen; Huehner gackern rum und laufen frei durch die Umgebung; dasselbe gilt fuer Kuehe und Oxen. Die sehe ich hier an jeder Ecke und auch mal einfach auf der Strasse; der obligatorische Hund gehoert hier zu jedem Haushalt.
Oft versammeln sich die Leute um den Flimmerkasten, um die unglaublich schlechten Telenovelas zu schauen. Sprich, Elektrizitaet gibts hier schon und wie ihr durch meine posts seht, auch Internet (Satellit). Bin also nicht ganz am Arsch der Welt, auch wenn es mir manchmal so vorkommt.
Nochmal zu den Nicas. Die, die hier Arbeit haben sind entweder Fischer, einfache Campesinos (Bauern) oder leben ein bisschen von dem Tourismus. Ich sehe aber genug Leute, die den ganzen Tag nichts zu tun haben und rumhaengen. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation zaubern sie immer ein kleines Laecheln hervor, wenn ich gruesse. Es sind einfach unglaublich nette und offene Menschen. Gerade mit den Leuten hier von meiner Behausung verstehe ich mich super. Alle versuchen immer mit mir zu reden, damit ich mein Spanisch verbessere. Und es wirkt auch. Kann mich schon ganz gut unterhalten, wenn auch sehr rudimentaer. Aber das wird schon...

Sonntag, 29. November 2009

Bienvenidos a Nicaragua

Was bisher geschah:
Der weisse Kleinbuss kaempft sich die Strasse entlang. Was heisst schon Strasse. Trampelpfad, Dschungelweg, Schotterpiste. Alle zwei Meter ein Schlagloch. Ach, und es ist Nacht. Die Baeume ragen rechts und links hinein. Seltsame Laute sind zu hoeren. Es ist der letzte Teil meiner Anreise an die Pazifikkueste Nicaraguas. Gleich bin ich da. Endlich, nach 24 Std. am Ziel. Morgens um 6 Uhr in Deutschland gestartet und nach deutscher Zeit um 6 Uhr am naechsten Tag angekommen. Was fuer eine Odysse. Aber es hat sich gelohnt.

Ich wache auf und zum Fruehstueck gibts erstmal einen grandiosen Blick auf den Pazifik und rundherum nur gruen, gruen, gruen. Natuerlich gibts auch was zu Essen. Gallo Pinto, Reis mit Bohnen, typisch nicaraguanisch, dazu Ruehrei und frisches Obst. Delizioes, sag ich nur.
Ich bin hierher nach Gigante gekommen, um spanisch zu lernen und zu surfen. Und genau das habe ich gefunden. 5 Std Spanisch gleich am ersten Tag. Ich werde gleich ins kalte Wasser geworfen. Nur Spanisch. Meine Lehrerin kann auch kaum Englisch. Es ist aber gut, so bin ich gezwungen zu sprechen.
Zum surfen komme ich erst am Dienstag. Jaime, der Surf-Professor, wie sie ihn nennen, zeigt mir die Straende in der Umgebung. Wir laufen 15 Minuten zum ersten Strand und weitere 20 min zum Weltklasse-Strand Colorado. Die Wellen sind perfekt fuer mich. Nicht zu gross und nicht zu klein. Ein Meter bis 1,50 hoch. Hier wirds auch mal 3 bis 6 Meter hoch. Dafuer muss ich dann doch noch ein bisschen ueben. Die kleinen reichen am Anfang erstmal. Muss ja wieder reinkommen. Und mein eigenes Board hab ich auch noch nicht. Will mir aber eins kaufen.
Meine Unterkunft ist super. Hotel Brio. Es ist jetzt kein Hotel nach unseren Standards. Recht simpel eben. Mein Zimmer ist ein 4-Bett-Zimmer. Binn aber alleine. Der Ventilator im Zimmer laeuft die ganze Nacht. Restaurant mit Bar sind extra, also 20 Meter von meinem Zimmer weg. Ach, hab ich erwaehnt, dass hier jetzt Sommer ist. Sprich 30 Grad und 60 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich dusche ungefaehr 3 bis 4 mal am Tag. Man merkt eben die Naehe zum Aequator. Bin aber natuerlich zweimal am Tag beim surfen.
Gleich morgens um 6 oder 7 und nachmittags gegen 16 Uhr gehts raus aufs Wasser. Dazwischen hab ich 5 Std Spanisch und ein bisschen essen muss ich ja auch noch. Gutes Thema: esse: jeden tag frischen Fisch, Meeresviecher, frische Huehner. Dazu Reis, Gemuese, Bohnen usw. Es gibt aber auch Pancakes, frische Fruechte oder Spaghetti. Sehr abwechslungsreich.
Die erste Woche ist jetzt schon vorbei. Sie verging wie im Flug. Jeder Tag war vollgestopft mit spanisch, surfen, essen und Leute treffen. Hab jetzt ein eigenes Board und war schon auf einem kleinen Bootstrip zum surfen. Werde spanisch auf 3 Std runterschrauben. Dafuer bleibe ich noch zwei Wochen hier. Erst wollte ich nur insgesamt 2 Wochen hier bleiben. Aber ist einfach zu paradiesisch. Ich hab hier alles was ich brauche. Die Leute sind unglaublich nett und aufgeschlossen. Sowohl die Nicas als auch die Auslaender, die es hierher verschlagen hat. Jeden Abend trifft man sich im selben Restaurant und quatscht ueber alles moegliche. Hier gibt es schon lustige Gestalten. Aussteiger, Surfer, Reisende. Alle haben interessante Geschichten zu erzaehlen. Der eine segelt schon seit eineinhalb Jahren die Kueste der beiden Amerikas entlang, andere arbeiten hier saisonal als Koch und wieder ein anderer hat sich hier seine eigene Baufirma aufgebaut. Sehr unterschiedliche Geschichten...
Hasta luego