Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die gruenen Riesen


Wie ein Zuckerhut sitzen die Nebelschwaden auf der Spitze des grossen Vulkans Concepcion. Langsam kriecht der weisse Dunst die steilen Haenge entlang. Der sichtbare Teil des Berges ist mit gruenem Dschungel bedeckt. 1600 Meter ragt dieses Monster von einem Vulkan aus dem "suessen Meer" heraus. Wegen dem Suesswasser wird der Nicaraguasee auch "mar dulce" genannt.
Dies alles beobachte ich von dem Balkon der Finca Magdalena einem alten Farmhaus, das zu einem Hostel umfunktioniert wurde. Es liegt am Fusse des zweiten Vulkans. Maderas ist der kleinere, naturreichere der Beiden. Gemeinsam bilden sie in Form einer acht die Insel Ometepe.
Von Samstag bis Montag waren wir in diesem kleinen Inselparadies. Ich war nicht allein. Steffi, eine Deutsche, die hier in Gigante in einem Surfcamp arbeitet, hat sich auch der Vulkan-Herausforderung gestellt.
Was fuer ein Trip! Zusammen mit einer Amerikanerin und unserem nicaraguanischen Guide haben wir in 7 Stunden den 1400 Meter grossen Riesen bezwungen. Wir sind quasi auf Null Meter gestartet und es ging nur bergauf. Hoert sich logisch an, aber es ging wirklich nur aufwaerts. Also keine Strecken, die mal keinen Anstieg hatten. Anfangs liefen wir noch durch eher trockenes und warmes Gebiet, bis wir zum Nebelwald kamen. Es wurde nass, matschig und deutlich kaelter und windiger. Umgeben von den unterschiedlichsten Baumarten krakselten wir ueber Steine und Matsch dem Gipfel entgegen. Wir zogen uns an Seilen den Trampelpfad entlang, kletterten steile Passagen hinauf und sanken knoecheltief im Schlamm ein. Auf unserem Weg begegneten uns Affen, Schmetterlinge und allerlei Kriechtiere. Wir entdeckten auch Zeugnisse laengst vergangener Kulturen. Praekolumbianische Petroglyphen sind auf dem Weg versteckt.

Oben angekommen ging es aber erstmal runter in den Krater des laengst erloschenen Vulkans. Hier hat sich ein kleiner See gebildet, den man aber dank des Nebels nicht wirklich erschliessen konnte. Das Wetter hier oben steht in einem krassen Gegensatz zum Fusse des Vulkans. 15 Grad, feucht und Nebel gegenueber 30 Grad, Sonne und trocken.
Es heisst ja so schoen: nach unten gehts immer schneller. Naja nicht ganz. Wenn man nicht unbedingt lebensmuede ist, geht man so vorsichtig wie moeglich den steilen Weg bergab. Das taten wir auch. Unser Guide war jeden Cent wert, da er uns schon auf dem Hinweg die Gefahren anzeigte. Meine Fuesse zitterten mit jedem zusaetzlichen Schritt. Ich hab eigentlich gedacht, dass ich gut trainiert bin. Aber ein bisschen in den Alpen wandern und an der Isar Joggen sind halt doch nicht knapp 3000 Hoehenmeter durch Schlamm und Steine klettern. Am Ende war mir die Natur und alles rundherum scheissegal, ich wollte nur noch in der Finca ankommen und meine Fuesse hochlegen. Eine ziemlich herausfordernde "Wanderung".
Am naechsten Tag zwang uns der Muskelkater an den Strand und zu einem halbwegs faulen Tag. Wir mussten ja auch noch heim kommen. Aber eigentlich hatten wir den Plan mit dem Fahrrad zum Kayaken zu fahren und dann eben 2 bis 3 Stunden ueber den See zu schippern. Faulenzen am Strand war aber eine gute Alternative. Leider war unsere Zeit dann auch schon vorbei und wir machten uns auf, das Abenteuer Rueckreise anzutreten.
Wir waren ja am anderen Ende der Insel. Und hier fuhr nicht wirklich ein regelmaessiger Bus. Ach und hab ich erwaehnt, dass es ein Feiertag war. Sprich es kamen noch weniger Busse als sonst. Letztendlich erwischten wir einen, der uns zur Hauptstrasse brachte. Die Busse hier sind uebrigens alte amerikanische Schulbusse. Diese gelb-schwarzen Monster. Lustige Teile. Die Leute steigen ein und aus wo es ihnen passt, so lange es an der Strasse ist. Richtige Haltestellen oder gar Zeiten gibt es nicht. Nach zweieinhalb Stunden erreichten wir endlich die Hafenstadt Moyogalpa, von wo unsere Faehre ging. Die letzte Faehre des Tages. Das Schiff trug den schoenen namen "Ferry el Che Guevara". Der Che brauchte leider ueber eineinhalb Stunden und wir kamen aufs Festland als es dunkel war. Nach zwei Taxis und ein bisschen Preisfaelschen waren wir letztlich um 21 Uhr abends wieder in unserem kleinen Paradies Gigante. Es hat ueber 7 Stunden gedauert, aber die Insel Ometepe, die Wanderung und die Natur waren alles Strapazen wert.
Mark Twain, der 1866 durch Nicaragua reiste schrieb damals ueber Ometepe: "Out of the midst of the beautiful Lake Nicaragua spring two magnificent pyramids, clad in the softest and richest green, all flecked with shadow and sunshine, whose summits pierce the billowy clouds. They look so isolated from the world and its turmoil - so tranquil, so dreamy, so steeped in slumber and eternal repose."




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